“Fingerfood” macht Senioren wieder Appetit
Bei Stehempfängen ist das die neue Variante des kleinen Häppchens. Statt Buffet mit Platten zu bestücken, die dann “geräubert” werden oder nur die kalten Canapés zu reichen, sind bei Fingerfood die Möglichkeiten weit vielfältiger. Viele kennen vielleicht schon das kleine Süppchen in der Espressotasse, den Meeresfrüchtespieß oder auch sogar das Minischäufele mit Miniknödelchen und Soße im Gläschen. Diese Art Essen zu sich zu nehmen macht das Essen im Stehen etwas einfacher beim Smalltalk. Das Cateringpersonal bestück das Buffet einfach mit neuen Tassen, Gläschen und Schälchen.
Nun hatte eine Pflegeeinrichtung in Berlin die neue Idee aufgegriffen. Vielen Altenpflegern ist bekannt, daß Hochbetagte oder Demente sehr oft Schwierigkeiten bei der Essensaufnahme haben, weil sie entweder nicht mehr so gute motorische Fähigkeiten oder den Gebrauch des Bestecks einfach vergessen haben. Hier half dann nur noch das Essen kleingeschnitten oder pürriert anzurichten oder beim Essen zu assistieren. Natürlich bindet das nicht nur Personal, das dann nervös daneben sitzt und deren Ungeduld sich auch auf die Bewohner überträgt. Andererseits wissen wir alle, daß das Auge mitißt und wer ißt schon mit Begeisterung wenn das Essen wie Babybrei aussieht?
Finger statt Besteck – das ist die Kernidee des speziellen Ernährungskonzeptes für Menschen mit Demenz, das die CURA Unternehmensgruppe gemeinsam mit der RECATEC Dienstleistungs-GmbH entwickelt hat. Mittelfristig soll es in allen Pflegeeinrichtungen der CURA eingeführt werden. Zu dieser Entscheidung führte der Erfolg des Pilotprojekts, dessen Ergebnisse jetzt unternehmensintern ausgewertet wurden.
Fingerfood hat das Ziel, Senioren, die nicht mehr mit Besteck essen können oder wollen, eine Alternative anzubieten und ihnen so größtmögliche Selbständigkeit und Selbstbestimmung zu ermöglichen. Sie erhalten eine Auswahl von Speisen, die ohne Besteck gegessen werden können. Die handgerecht zubereiteten Häppchen sind nicht größer als ein bis zwei Bissen und leicht zu kauen und zu schlucken. Dazu eignen sich zum Beispiel entsprechend zugeschnittene Fleisch oder Gemüsestücke, Kartoffeln, angedickte Süßspeisen in Stücken oder weiches Gebäck. Auch Suppen ohne Stückchen können in kleinen Bechern gereicht werden.
In zwei CURA-Einrichtungen ist das Fingerfood-Konzept bereits erfolgreich in die Praxis umgesetzt worden: Von September 2008 bis Januar 2009 lief mit besonderer fachlicher Unterstützung das Pilotprojekt in den CURA Seniorencentren Halle Lutherbogen und Ottendorf. Die Bewohner erhielten ihre Mahlzeiten in Häppchenform zum Greifen. Im Vorfeld wurde analysiert, für wen sich Fingerfood eignet, denn wer noch kann, darf auch weiterhin mit Besteck essen. Außerdem wurde beachtet, dass es sich um Speisen handelt, die die Bewohner kennen und in der Vergangenheit gerne gegessen haben.
Von den Bewohnern wurde das neue Angebot äußerst positiv aufgenommen - die Erwartungen an die neue Versorgungsform sind sogar noch übertroffen worden: „Zwei Bewohner, die zuvor nicht mehr selbstständig gegessen haben, sind durch die Darreichungsform als Snack wieder zum selbsttätigen Essen animiert worden“ berichtet Petra Klappach, die das CURA Seniorencentrum Halle Lutherbogen leitet. „Andere Bewohner, die sonst häufig umherliefen, blieben länger am Tisch sitzen. Sie hatten durchweg mehr Freude am Essen.“ Auch die Angehörigen wurden in den Prozess aktiv einbezogen: Es gilt, Verständnis aufzubauen, dass die für uns üblichen Tischmanieren teilweise aufgehoben werden.
Auch im Alter ist eine ausgewogene und ausreichende Ernährung besonders wichtig. Das Risiko für Mangelernährung und Austrocknung ist erhöht; und eine Demenzerkrankung kann noch zusätzliche negative Auswirkungen auf das Essverhalten haben. Bei vielen Menschen führt sie zu starker Mobilität und Unruhe; sie bleiben zum Teil nicht am Essenstisch sitzen und lassen sich schnell ablenken. Auch das Hunger- und Sättigungsgefühl verändert sich, so dass die Einsicht in die Notwendigkeit von Essen und Trinken fehlt. Wie das Pilotprojekt der CURA zeigt, bietet Fingerfood hier Abhilfe, auch zur Stärkung der noch vorhandenen Ressourcen der Eigenständigkeit.
Das sagt auch Claudia Menebröcker, Expertin für geriatrische Ernährungstherapie, die das Konzept maßgeblich mitentwickelt hat und der CURA für die optimale Seniorenbewirtung beratend zur Seite steht. „Die Ernährungsschwierigkeiten von Menschen mit Demenz sind hinlänglich bekannt“, erklärt sie. „Wir zeigen, wie man sie ernst nimmt und Lösungsmöglichkeiten bietet.“
Ziel des Fingerfood-Angebotes ist zwar selbständiges Essen – allein gelassen werden die Bewohner aber nicht. Immer ist jemand anwesend, um gegebenenfalls zu unterstützen und zu dokumentieren, ob es schmeckt oder nicht und ob noch etwas nachgereicht werden darf. Bedrängt wird dabei niemand: Wie das neue Angebot zeigt, sind Toleranz und eine stressfreie Mahlzeitsituation das beste Rezept für den guten Appetit.
Informationen für Interessierte an diesem Konzept:
Die CURA Seniorencentren Halle (Saale) und Ottendorf bei Kiel, finden Sie auch bei Domizilsuche.de - Ihrem Informationsportal für Wohnen & Pflege im Alter.
Einfach verlinkten Ort anklicken um direkt zu den Informationen der Seniorencentren zu gelangen oder auf dieser Webseite das “Domizilsuche” Zeichen anklicken und über die Suchmaske suchen.
Quelle: CURA Unternehmensgruppe

