Billigzahnersatz oder Qualitätsprodukt

Interview mit einem Fachmann

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Das wachsende Angebot an Zahnersatz aus dem Ausland stellt viele Patienten vor neue Fragen. Hierzu forderten wir einige Antworten vom Fachmann. Herr Knittel ist selbständiger Zahntechnikermeister und Mitglied der Steuerungsgruppe AMZ QS-Dental (Allianz für Meisterliche Zahntechnik – Qualitätssicherungskonzept -Dental )

älter werden: Herr Knittel, Sie sind mitverantwortlich, dass das neue Dachmarkenzeichen des Verbandes Deutscher Zahntechnikerinnungen (VDZI) seit Dezember 2006 in Deutschland eingeführt wurde. Warum ist den Innungen in Deutschland die Qualitätssicherung so wichtig?

Helmut Knittel: Die Globalisierung hat auch unsere Branche erreicht. In Internetportalen oder Geiz-ist-geil Aktionen von Handelsgesellschaften sowie von Anbietern, die keine Meisterprüfung im herkömmlichen Sinne abgelegt haben und durch Ausnahmegenehmigungen am Markt teilnehmen wird, Billigzahnersatz angeboten. Wir dürfen hier nicht wegsehen, denn fehlerhafter Zahnersatz führt zu Folgeschäden.

Die zahntechnischen Meisterlabore der Innungen gelten als die erste Fachadresse in Deutschland für moderne Zahnprothetik. Sie bieten ausgezeichnete Versorgungsqualität für Zahnersatz auf höchsten Niveau und präventiven Patientenschutz an.

Wie sieht Qualitätssicherung in der Zahntechnik aus und warum ist das so wichtig?

Die jüngst entfachte Diskussion über bleiverseuchtes Kinderspielzeug oder Gift in Zahnpasta zeigt was passiert, wenn eben nicht deutsche Qualitätskriterien und Sicherheiten eingehalten werden, da es in vielen Ländern der Welt eben keine annähernd vergleichbaren Strukturen wie in Deutschland. Wir sind mit AMZ auf dem richtigen Weg. Der Patient wird durch unser Zeichen sehr schnell erkennen, dass sich dahinter ein Qualitätsnachweis eines deutschen Innungsbetriebes verbirgt. Damit verbunden ist eine Prüfung sowie verschiedene einzuhaltende Kriterien. Diese werden ständig überwacht. Einzelne Krankenkassen haben aus Kostengründen auf Auslandszahnersatz verwiesen. Damit wurde allerdings ein Sicherheitsgefühl genährt, das so nicht immer und überall eingehalten werden kann, denn wo ist hier die Dokumentationspflicht?

Wie kann der Verbraucher sicher sein bezüglich Herkunft und Überwachung?

Der Patient erhält nach Fertigstellung seines Zahnersatzes mit seiner Rechnung ein Zertifikat über die sechs Qualtitätsmerkmale des Qualitätssicherungskonzeptes (QS-Dental). Auf Wunsch bzw. mit Absprache der Zahnarztpraxis, kann der Patient ebenfalls die Checklisten für die Fertigungsabläufe im zahntechnischen Labor ausgehändigt bekommen. Beim ausländischen Labor muss der Zahnarzt selbst regelmäßig überprüfen, ob Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität so ausgeprägt sind, dass er sicher sein darf, jederzeit gesundheitlich unbedenkliche zahntechnische Medizinprodukte von dort zu erhalten. Alle Meisterlabore die diese Zertifizierung abgelegt haben, dürfen dieses Markenzeichen erwenden. Es wird zukünftig auch auf dem Firmenschild, im Internet und in Branchenbüchern zu finden sein. Von den über 5.000 Innungsbetrieben in Deutschland haben sich bereits über 1.000 für die Zertifizierung und über die Prüfungskriterien informiert.

Herr Knittel, was sind denn diese sechs Qualitätsmerkmale, könnten Sie uns diese erläutern?

1. Qualitätsgesicherte Arbeitsabläufe nach dem für Deutschland gültigen Medizinproduktegesetz.

2. Qualitätsziele gemäß den Checklisten und Kriterien des VDZI

3. Qualität nach aktuellen in Deutschland üblichen Standards

4. Verwendung nur CE-geprüfter Materialien gemäß Medizinproduktegesetz

5. Sonderanfertigung gemäß EWG Richtlinie 93/42

6. Fertigung nach den Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutzkonzepten

Dies sind die Säulen auf die das AMZ-QS-Dental aufbaut. Zur Erlangung sind zwanzig Anforderungspunkte zu erfüllen sowie eine beständige Dokumentationspflicht.

Werden Sie darin von der Politik oder den Krankenkassen unterstützt?

Die Politik wurde über unsere Initiative unterrichtet und reagiert positiv darauf. Ob die Krankenkassen dies unterstützen werden, bleibt abzuwarten. Wie gesagt, einzelne Kassen gewähren in Flyern noch Boni für günstigen Auslandszahnersatz. Studien haben aber bereits ergeben, dass Billigzahnersatz manchmal eben mit Qualitätsmängeln oder Allergien erkauft wird und dann nachträglich doch noch erhöhte Kosten durch eine Neuanfertigung oder Reparatur in Deutschland anfallen. Letztendlich entscheidet aber auch der Patient mit, wo sein Zahnersatz gefertigt wird. Diese Entscheidung steht jedem Patienten – auch dem Kassenpatienten immer „noch“ offen.

Vielen Dank für die interessanten Informationen, Herr Knittel.

Weitere Informationen über:

Zahntechniker-Innung Nordbayern

Tel: 0911-926700

Internet: http://www.nbzi.de/

www.vdzi.de

Kontaktadresse:

www.knittel-zahntechnik.de

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